Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und gibt ein Interview zum Thema "Digitalisierung" und lächelt dabei in die Kamera.

Lesezeit: 5 Minuten

#StayTheFuckHome – ein Meilenstein für die Digitalisierung?

Geschäftsführer Christian Haberl im Interview

Christian Haberl

Chrisitan Haberl, Inhaber & CEO

Christian begann seine Karriere 1999 als Trainer und Vortragender im IT-Bereich und erweiterte bereits 2002 seinen Horizont auf das Online-Marketing. Seit 2008 hilft er seinen Kunden mit Social-Media-Marketing erfolgreich zu sein, weshalb er 2012 HUMANBRAND als reine Social-Media-Agentur gründete. Zu seinen Kunden zählen globale IT-Unternehmen wie Microsoft, SUSE, Sage, Tech Data, A1 Digital und ALSO. Als Speaker und Trainer in den Bereichen Social-Media-Marketing und Digitalisierung ist Christian regelmäßig in München und Wien zu erleben sowie unter anderem als Keynote-Speaker auf der virtuellen Messe für digitales Marketing DiMarEx.

Christian Haberl

Christian begann seine Karriere 1999 als Trainer und Vortragender im IT-Bereich und erweiterte bereits 2002 seinen Horizont auf das Online-Marketing. Seit 2008 hilft er seinen Kunden mit Social-Media-Marketing erfolgreich zu sein, weshalb er 2012 HUMANBRAND als reine Social-Media-Agentur gründete. Zu seinen Kunden zählen globale IT-Unternehmen wie Microsoft, SUSE, Sage, Tech Data, A1 Digital und ALSO. Als Speaker und Trainer in den Bereichen Social-Media-Marketing und Digitalisierung ist Christian regelmäßig in München und Wien zu erleben sowie unter anderem als Keynote-Speaker auf der virtuellen Messe für digitales Marketing DiMarEx.

Daniele Pivec, das neueste Mitglied bei HUMANBRAND, hat Christian interviewt:

Hallo Christian! Wie waren deine Erfahrungen die ersten Tage in Covid-19-Quarantäne?

Die ersten Tage waren sehr interessant, weil sich Tag für Tag Neuerungen abgezeichnet haben. Ich wollte den Ereignissen immer einen Schritt voraus sein. So habe ich Mitarbeitern, die zur besonders gefährdeten Gruppe zählen, noch vor den Ankündigungen der Bundesregierung angeboten, Homeoffice zu machen. Für uns ist Homeoffice relativ leicht, da viele unserer Mitarbeiter mobile Geräte besitzen und es gewohnt sind, mit ihren Kunden über Calls zu kommunizieren. Nachdem klar wurde, dass alle Schulen geschlossen werden, haben auch wir gesagt, dass wir allen Mitarbeitern ab Montag, den 16.3., Homeoffice ermöglichen.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Dich als Arbeitgeber? Welche ergeben sich für das Team?

Da fallen mir sofort die Themen Ergonomie und Produktivität ein. Hier kommen Fragen auf wie: Kann ich mit einer Laptop-Tastatur genauso schnell arbeiten wie mit einer normalen Tastatur? Kann ich mit einem kleinen Bildschirm so produktiv sein wie mit zwei Großen, wie wir sie im Büro für alle Mitarbeiter haben? Aber die zweite und größte Herausforderung waren jene Mitarbeiter, die bisher ohne eigenen Laptop normalerweise im Büro arbeiten. So mussten wir doch von einem Tag auf den anderen auch für diese Mitarbeiter einen Weg finden, um von Zuhause aus arbeiten zu können. Damit stellte sich die nächste Frage: Wie lösen wir das datenschutzkonform? Sensible Kundendaten dürfen keinesfalls auf unverschlüsselten Privatgeräten landen. Deshalb haben wir einen verschlüsselten Zugang mittels Remote-Desktop eingerichtet, damit man sich vom Privat-PC direkt mit den Desktop-Computern im Büro verbinden kann.

Wie ändert sich die Art der Kommunikation?

Gleich von Beginn an haben wir kurze tägliche Meetings aufgesetzt: Um 10:00 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter virtuell mittels Microsoft Teams. Da tauschen wir uns über die aktuellen und kommenden Herausforderungen aus. Die Webcams werden jetzt öfter verwendet als früher: Ich finde es durchaus nett, wenn man zum Beispiel einen Kundentermin hat und man die Möglichkeit hat, sich gegenseitig anlächeln zu können.

Welche anderen Programme erleichtern die Kommunikation?

Microsoft Teams spielt bei uns eine zentrale Rolle. Auch wenn wir unseren Kunden einen Teams-Call ausschicken und sie nicht gerade am Computer sind, dann bekommen sie eine Einwahlnummer zugeschickt und können sich einfach und jederzeit in den Call per Telefon einwählen. Heute hatte ich sogar in dieser Art ein Vorstellungsgespräch mit einer Bewerberin. Unsere Kunden verwenden auch andere Kommunikationsprogramme wie ZOOM und für virtuelle Webinare wird das Programm GoToWebinar genutzt.

Das funktioniert soweit sehr gut, nur dass auch Microsoft hier als Betreiber gerade vor einer großen Herausforderung steht, das gewohnte Service-Level auch in diesen Zeiten zu garantieren. Natürlich hängt hier auch alles davon ab, ob unsere Telekom-Unternehmen und Internet-Serviceprovider der momentan außerordentlichen Belastung durch Streaming Dienste, E-Learning, Online Konferenzen etc. standhalten können. Ich sehe schon erste Provider, die mit einer Drosselung angefangen haben, damit sichergestellt werden kann, dass auch weiterhin alle Nutzer online bleiben können.

Wie stellst Du sicher, dass alle Mitarbeiter Zugang zu Ihren Daten haben?

Wichtig sind jetzt Cloud-Dienste, damit wir nicht auf Dateien zugreifen müssen, die lokal auf einem Büro-Computer liegen. Eine Mitarbeiterin hat sich zum Beispiel einen Kaffee über den Laptop geschüttet, dank der Cloud waren aber keine Daten verloren. Die Business-Continuity bei Humanbrand kann mithilfe von Cloud-Diensten sichergestellt werden.

Wir verwenden LastPass als Passwortspeicher, um uns gegenseitig und jederzeit Zugriff auf gewisse Tools zu geben.

Wichtig sind jetzt Cloud-Dienste, damit wir nicht auf Daten angewiesen sind, die lokal auf einem Computer im Büro liegen.

Würdest du sagen, dass die Umstellung für uns als digitale Agentur einfacher war?

Wir tun uns da viel leichter, aber nicht, weil wir eine digitale Agentur sind, sondern weil wir sehr viele Kunden aus Deutschland haben, die wir sowieso nur ein, zwei Mal im Jahr – zum Beispiel in München beim Oktoberfest – treffen. Dadurch ist die Kommunikation mit unseren Kunden mithilfe von Calls absolut keine Neuheit.

Könntest du Beispiele aus anderen Branchen geben? Hast du da mit anderen Unternehmer-Kollegen gesprochen?

Fangen wir mit der Fitness-Branche an: Wie alle anderen musste auch mein Crossfit-Coach Christoph (CrossFitArea23)  seine Box schließen. Da die Leute aber trotzdem fit bleiben wollen, hat er mich gefragt, welche Tools er verwenden könnte, um sein Live-Coaching online zu übertragen. Nachdem ich ihm das notwendige Equipment gegeben habe, streamt er das jetzt mithilfe von Streamlabs auf YouTube, wobei da die größte Herausforderung wieder das gedrosselte Internet war, welches die Upload-Geschwindigkeit so beeinträchtigt hat, dass kein HD-Stream möglich war. Heute hat er sein Internet upgegradet, somit sollte es heute Abend besser funktionieren. Daran sieht man aber auch wieder, dass die Krise auch eine Chance für Telekommunikationsunternehmen ist.

In einem Wohnzimmer trainiert ein Mann vor dem Fernseher.

Virtuelles Crossfit-Workout mit Crossfitarea23 im Live-Stream

Unternehmen sind jetzt auch gezwungen, kreativ und offen für Veränderungen zu sein. Zum Beispiel die Medizinbranche: Wohingegen man früher Rezepte ausschließlich in Ordinationen bekommen konnte, ist es jetzt möglich, diese sich von einem Arzt per E-Mail ausstellen zu lassen. Jetzt stellt sich aber die Frage, ob man dann in (hoffentlich nicht allzu ferner) Zukunft jemals wieder in eine Arztpraxis gehen muss, um an ein Rezept zu kommen.

Schwieriger ist es in anderen Bereichen: Ich habe heute mit einer Handwerkerin geredet, deren Privatkunden alle weggefallen sind. Themen wie Kurzarbeit und Liquidität sind also hier ganz große Herausforderungen, denn ein Handwerker kann keine Telearbeit betreiben.

Im Gegensatz dazu profitieren andere Branchen gerade von diesen Umständen: Vor allem im IT-Bereich betreiben wir ganz viele Kampagnen zum Thema „Digitalisierung als Chance“. Es trifft uns Unternehmer unterschiedlich hart. Wir können uns sicherlich in der Social-Media-Marketing-Branche glücklich schätzen, vor allem mit dem Fokus auf IT-Kunden im B2B-Bereich. Aber wenn man jetzt als Marketing Agentur primär Kunden in den Bereichen von Tourismus und Gastronomie hat, fallen hier Werbeetats weg und man hat somit ein großes Problem.

Du hast zwei Kinder. Wie wirkt sich die Situation auf den Schulbetrieb aus?

Gerade im E-Learning Bereich ist das eine Mega-Chance: Die Schulen und Lehrkräfte sind jetzt gezwungen, diese Technologien auch tatsächlich zu nutzen, da sie ja nunmehr keine andere Wahl haben, als sich damit zu beschäftigen. Dies fördert wiederum die Medienkompetenzen enorm.

Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Internetleitungen, auch bei den E-Learning-Plattformen kommt es derzeit noch zu sporadischen Ausfällen. Meine Kinder erhielten einmal nach mühsamem Arbeiten beim Upload eine Fehlermeldung vom Server. Alle getane Arbeit war verschwunden. So etwas darf nicht passieren.  Die Anbieter von E-Learning-Plattformen lernen jetzt schnell, wie man in solchen Situationen Ausfälle minimieren kann. Auch hier wieder können Cloud-Dienste besonders hilfreich sein um die Infrastruktur im E-Learning ausfallsicherer zu machen.

Welche Auswirkung hat die aktuelle Situation auf Workshops und Seminare?

Meine Workshops und Seminare wurden alle verschoben, teilweise schon mit neuen Terminen. Da keine zeitkritischen Seminare dabei sind, wurden sie noch nicht auf ein Webformat umgewandelt, was wir aber jederzeit machen könnten. Gleichzeitig habe ich aber auch bereits erste Anfragen bekommen, als Speaker an Webinaren teilzunehmen. Manche unserer Kunden können da sehr schnell und flexibel reagieren und selbst große Events auf Online-Konferenzen umstellen.

Aber der Großteil der Eventbranche wird gerade sehr hart getroffen. Auch hier ist wieder die Digitalisierung eine Chance, dennoch Events in der Form von Webkonferenzen und Webinaren abhalten zu können. Auch das sind Bereiche, wo wir Know-how anbieten können.

Virtuelle Veranstaltungen wie die DiMarEx, eine digitale Marketing Konferenz, werden einen Boom erleben, weil der Bedarf zu lernen und sich fortzubilden gegeben ist. Durch das Aufkommen von Themen wie Homeoffice, Social Distancing, Trending Hashtags wie #StayTheFuckHome, kann diese Situation, in welcher wir uns gerade befinden, auch als Meilenstein der Digitalisierung gesehen werden.

Wer hätte gedacht, dass eine Pandemie die Digitalisierung dermaßen voranschreiten lässt?

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Situation, in welcher wir uns gerade befinden, auch als Meilenstein der Digitalisierung gesehen werden kann.

Durch die COVID-19-Krise, Social Distancing und #StayTheFuckHome ergeben sich unter anderem in diesen Bereichen neuen Chancen für die Digitalisierung: 

  • E-Learning
  • Online-Events, Webinare, Virtuelle Konferenzen
  • Home-Office / Teleworking
  • Streaming von Freizeitangeboten (Fitness, Kunst, Kultur…)
  • Cloud-Computing
  • Virtuelle Telefonanlagen
  • Bürokratie-Abbau durch digitale Prozesse
  • Medizin-Branche

Social Distancing im „physischen“ Leben muss dank digitaler Methoden nicht zu Social Distancing in unserer „virtuellen“ Welt führen.

In der Corona-Krise sieht unser Arbeitsalltag anders aus. Mit verstärkter Digitalisierung sind wir aber dabei, das Beste aus der Situation zu machen. Social Distancing im „physischen“ Leben muss dank digitaler Methoden nicht zu Social Distancing in unserer „virtuellen“ Welt führen.

Wenn die Pandemie vorbei ist, bleiben die Verbesserungen im Bereich der Digitalisierung uns hoffentlich erhalten, und helfen uns unser Leben und unseren Arbeitsalltag nachhaltig zu verbessern.

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